Anthony B: Jamaica Superstar

Anthony B (JAM)

In Zusammenarbeit mit Eine Welt

Anthony B ist zurück mit seinem jüngsten Album "Tears of Luv"

Eigentlich bräuchte dieser Mann gar keinen Bühnennamen, denn wer Keith Blair heisst, könnte auch damit abräumen. Aber Anthony B ist natürlich als Pseudonym ebenfalls schwer in Ordnung. Der Künstler dahinter sowieso. Dieser schloss sich bereits in sehr jungen Jahren und zum Missfallen seiner tiefreligiösen Familie der Rastafari-Bewegung an, liess sich Dreadlocks wachsen und zog fortan sein eigenes Ding durch.

Als 17-Jähriger veröffentlichte er seine erste Single «The Living is Hard», drei Jahre später folgte das Debütalbum «Real Revolutionary». Seither hat Anthony B ein Gesamtwerk von beeindruckendem Umfang angehäuft. Doch während andere Reggae-Stars zeitweilig ganz gerne Lieder über Frauen und Faustfeuerwaffen sangen, artikulierte er in seinen Tracks konsequent politische und spirituelle An- und Einsichten.

Anthony B ist allerdings keineswegs nur ein Musterknabe, sondern ist dem Genuss berauschender Substanzen durchaus zugeneigt. Das hat ihm sogar eine Anklage wegen illegalen Marihuanabesitzes eingetragen – obschon ihn die Cops im US-Bundesstaat Atlanta ursprünglich bloss deswegen rechts ranfahren liessen, weil er in einem Auto mit unerlaubterweise getönten Fenstern unterwegs war. Tja, dumm gelaufen.

Aber auch wenn sein Strafregister nun nicht mehr rein ist, gehört Anthony B zu den Guten. Davon zeugt auch sein Album «Tribute to Legends», auf dem er Songs covert, die ihn musikalisch geprägt haben. Zu grosser Form läuft der 39-Jährige dort bei seiner Interpretation von John Lennons «Imagine» auf, dessen Text er kurzerhand in die Gegenwart hinein erweitert und singt: «Imagine there's no Facebook, no Blackberry, no iPhones». Ziemlich verwegene Vorstellung.